Klimawandel - Handeln in globaler Verantwortung

Als der Campus noch St. Anno war

Mai 2, 2011

ERINNERUNGEN: Michael Köjer erinnert sich an seine Zeit im St. Anno-Internat 1963 Teil 1

Der Campus im Jahre 1963, Heimstatt und Kaderschmiede junger Männer auf dem Weg in ein erfolgreiches Berufsleben.Sylvia und Michael Köjer im St. Anno Park, wenige Wochen vor ihrer Hochzeit.Die Abschlussklase 3a in fröhlicher Runde mit Bruder Elmar (m.) im Gasthaus Vierkotten.Ich sitze auf der sonnendurchfluteten Terrasse vor dem Anno-Restaurant auf dem Campus und genieße das tolle Mittagsmenü – präsentiert in kleinen Schälchen und Gläschen – zu sensationell niedrigen Studenten- Preisen, beobachte Scharen von jungen, fleißigen Menschen in luftiger Sommerkleidung, die hier ihre sicher verdiente Mittagspause verbringen … bevor es dann wohl wieder gleich ans Studieren geht.

Und ich hänge meinen Erinnerungen nach. Die führen mich zurück in das Jahr 1963. In diesem Jahr begann nämlich meine dreijährige Internatszeit hier auf diesem Campus, der damals noch „St. Anno“ hieß. „St. Anno“ war die bekannte dreijährige höhere Handelsschule, geleitet von den französischen Schulbrüdern La Salle. Hier sollte ich also nun als bis heute bekennender Ruhrpottler die nächsten drei Jahre im Internat verbringen. Nun hatte ich ja schon vorher reichlich Internatserfahrung gesammelt: Zuvor war ich nämlich auch schon drei Jahre kasernierter „Interner“ in Bendorf-Sayn (nahe Koblenz) im sogenannten „Knabenheim Kempehof“ – ebenfalls einem strengen, katholischen Jungeninternat der Salesianer Don Boscos.

Aber zurück nach Bad Honnef, zu den Schulbrüdern ins „St. Anno“. An der Spitze der hiesigen Ordensgemeinschaft stand damals Bruder Wolfgang, der Chef und Schuldirektor, der Herrscher aller Reußen!

Nach glücklich bestandener Aufnahmeprüfung rückte ich dann also Ostern1963 mit Sack und Pack ein, zuerst in mein neues Zuhause, einem Schlafsaal mit rund 36 Betten, also mit 35 Kameraden an meiner Seite! Später, als wir 3a – also Oberstufe waren – schliefen wir – Gott sei Dank – nur noch in Zimmern mit 4 Mann. Das Kommando über die ganze Zeit und unser Leben hatte dabei unser Präfekt, Bruder Elmar, der uns Jungs dann die nächsten drei Jahre führen und begleiten sollte. Ich kam also in die 1a, soll heißen, in die jahrgangsältere Unterstufe. Daneben gab es dann, natürlich in einem anderen Schlafsaal und mit einem anderen Präfekten, die 1b: dort hausten dann die „Jüngeren“.

36 Betten – 36 Kameraden

Bruder Elmar nannte uns – seine Truppe – schon sehr bald „einen Haufen toller Hunde“. Aber der Reihe nach: Als wir dann den anstrengenden dreijährigen Kampf um die schulische Ausbildung für unser späteres Leben aufnahmen, waren wir – wie schon erwähnt – zu 36 Mann. Doch auf der langen „Anno-Reise“ wurden wir immer, immer weniger. Am Anfang war also nicht das Wort, wie es in der berühmten biblischen Stelle heißt, nein, da war zuerst ein ganz verängstigter Haufen, der sich aber im Laufe der Zeit ins Gegenteil entwickeln sollte.

Im ersten Jahr lernten wir neben den vielen schulischen und fachlichen Dingen vor allem aber die Weite des herrlichen Siebengebirges kennen: Denn immer wieder sonntags gab es „geführte und überwachte Wanderungen“ zur körperlichen Ertüchtigung und zur Ablenkung von allzu menschlichen und weltlichen Dingen. Wie oft mussten wir bei diesen Gewaltmärschen an den harten Filmklassiker „Soweit die Füße tragen“ denken. (Bei uns wurde es dann aber immer sehr schnell zu dem übrigens nie gedrehten Film „Solange die Socken qualmen!“)

Ein Haufen toller Hunde

Oh, ja! Im ersten Jahr waren wir also alle noch ganz und gar harmlos. Moralisch etc. jedenfalls. Schulisch waren wir dagegen schon immer für den Lehrkörper eine Sorgenklasse, und auf dem Mindestleistungsstand waren wir dabei immer „up to date“! So war es auch eigentlich nicht verwunderlich, dass nach Ablauf des ersten Jahres bereits die ersten Kameraden das „Zeitliche segnen“ und die Heimreise antreten mussten.

Im 2. Jahr fing dann eigentlich unsere nicht immer ruhmvolle Ära an: Der erste Ausgang in der Mittelstufe – sonntags für maximal zwei Stunden – kam und die ersten Ausgangssperren für die kommenden Sonntage folgten auf dem Fuße. Man trank nämlich schon damals - auch um die Mittagszeit - gerne mal ein Kölsch zu viel. „Ausgangssperre“, ein hartes Wort, aber bei uns dann eine geläufige Vokabel des Alltags. Diese Strafe wurde dann regelmäßig für jede Art von „Anno-Vergehen“ verhängt, sei es für den Erhalt von unerlaubten Liebesbriefchen aus der Heimat, harmlosen Rendezvous auf hiesigem Pflaster oder für den Einsatz und Austausch von kleinen Briefchen (genannt: Kassiber) an Honnefer Schönheiten, die unsere externen Kameraden (das waren die Glücklichen, die mittags nach Hause durften, da sie in der Nähe wohnten) dann aus dem Haus schmuggelten. Gegen alle diese Verbote wurde selbstverständlich gesündigt, wie wäre es auch anders denkbar gewesen.

Und dann war da noch die Sache mit dem „Rauchen“. Man stelle sich vor: im 3. Jahr, also in der Oberstufe, durfte jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr in einem kleinen, geschlossenen Raum geraucht werden! Wenn man gut drauf war, konnte man in dieser Zeit unter Einstellung der Konversation schon gut und gerne eine ganze Packung in die Luft blasen. Ich rauche übrigens immer noch, auch manchmal in geschlossenen Räumen!

Trotz allem fanden wir dabei aber in unserem Präfekten Bruder Elmar – der tatsächlich gerne hin und wieder heimlich eine mitrauchte – immer einen gütigen, gerechten und verständnisvollen „Aufpasser“ und Partner. Mit ihm haben wir dann – vor allem in der Oberstufe – manch schöne Stunden erlebt. So erinnere ich mich heute noch gerne an gelegentliche, sonntägliche Kegelnachmittage im damaligen und heutigen „Vierkotten“ auf einer historischen,uralten Kegelbahn bei frischem Kölsch und leckeren Mettbrötchen. Wir hatten immer viel Spaß und meistens das große Glück, dass wir anschließend mit unserem beliebten „Elmar“ wieder relativ unbemerkt auf ’s Gelände und in unsere Betten kamen. Bruder Elmar ist vor ein paar Jahren übrigens in Illertissen im Allgäu, Sitz des Mutterhauses der Schulbrüder, im hohen Alter verstorben. Ich hatte Gelegenheit ihn kurz vor seinem Tod dort noch mit meiner Frau (er erinnerte sich sogar noch an die abgefangenen Liebesbriefchen) besuchen zu können. Es war ein besonderes und schönes Zusammentreffen und Erlebnis, bei dem wir manche alte Fotos anschauten und Geschichten aus gemeinsamen Zeiten ausgetauscht haben.

Im Laufe der drei Jahre haben dann – wie schon erwähnt – eine Reihe der Kameraden wegen herausragender schulischer Leistungen das Internat und die Schule verlassen müssen: 1966 wurden aus unserem Jahrgang auch nur noch 22 zur mündlichen Prüfung zugelassen. (Ich bin wirklich glücklich und stolz, dass ich dazugehören durfte!) Man darf nämlich nicht vergessen, dass wir über die Jahre wirklich viel zu lernen hatten:

Geschichte, Mathematik, Englisch, Französisch, Physik, Stenographie, Schreibmaschineschreiben, Deutsch, Bürowirtschaft, Erdkunde, BWL, Buchführung, Religion und – natürlich mein Lieblingsfach: Sport.

Jeden Sonntag mit Begleitschutz unterwegs

Durch meine bereits erwähnte, vorherige Internatserfahrung wusste ich, dass es als „Interner“ besonders wichtig ist, in einer „geschlossenen Anstalt“ Sonderjobs zu ergattern. Dies führt nämlich erfreulicherweise dazu, das nachmittägliche Silentium nicht immer mitmachen zu müssen. So war ich natürlich gern und bereitwillig hochgedienter Messdiener, tapferer Pfadfinder und begeisterter Teilnehmer in der Theater-AG. In allen genannten Disziplinen wurde – Gott sei Dank – gern und oft geprobt … und so war man dann doch hin und wieder von rein schulischen Verpflichtungen „befreit“. Und noch ein Privileg nannte ich dann irgendwann mein Eigen: einmal im Monat durfte ich nämlich ganz allein und ohne Aufsicht in die Stadt gehen um Schulmaterial für die Klasse einzukaufen. Und so lernte ich dann, natürlich ganz heimlich und verschwiegen, in der Hauptstraße 49, im damaligen Schreibwarengeschäft Breutigam, die Tochter des Hauses, Sylvia, kennen und mutig anzuhimmeln.

Alles natürlich ganz harmlos, ehrlich! Und heute sind wir schon im 41. Jahr nach wie vor nicht nur verheiratet, sondern, so wird erzählt, auch dazu noch glücklich. (Was wäre also aus mir nur geworden, wenn ich nicht im „Anno“ gewesen wäre ….?)

Heute schaue ich darum gerne und mit guten Gefühlen auf meine Zeit im „Anno“ zurück. Diese Epoche meines Lebens war speziell und besonders, oft hart, aber – in der Erinnerung – meistens doch sehr schön. Und, wie ich weiß, ist aus den 22, die damals die Prüfung schafften, im späteren Leben auch etwas geworden. Und das gilt nicht nur für die „Internen“, also für uns Internatsschüler. Nein, es gab natürlich auch die externen Kameraden, also die „nicht kasernierten“ Heimschläfer. Da fallen mir spontan einige Honnefer Bürger ein, die ebenfalls Anno-Schüler waren, und aus denen natürlich auch etwas geworden ist: Unter anderem z.B. Hellmuth Buhr, heute erfolgreicher Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse, Karl-Heinz Dißmann, schon im Ruhestand, aber zuvor bekannter und bekennender „Brauerei-König“ und Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtsparkasse … und nicht zuletzt – zwar wesentlich jünger als ich und viel später im „Anno“ – Jörg Pütz, neben seinem Bruder Dirk Chef des HIT-Marktes, Präsident der Traditionsgesellschaft HALT POL und ehemals deren stolzer Prinz im heimischen Karneval… und natürlich nicht zu vergessen, Helmut Kloss, liebevoller Onkel der beiden Vorgenannten und mit seinem Schwager Juppi Pütz Mitbegründer des Einkaufparadieses HIT im Honnefer Süden.

Lehrer und Brüder prägten unser Leben

Ich schwelge also immer noch in Erinnerungen, und denke – meinem Alter entsprechend natürlich etwas verlangsamt – in diesem Moment auch gerne an den einen oder anderen Lehrer von damals zurück. Da wären neben dem bereits erwähnten Bruder Wolfgang und dem Bruder Elmar unter anderem noch: Bruder Bernulf, Bruder Stanislaus, Bruder Sergius und die liebe Schwester Zita. Und es gab selbstverständlich auch noch unsere weltlichen Lehrer, an die ich mich – heute – auch gerne erinnere: Herr Frembgen, Herr Gutwald und mein ganz spezieller „Freund“, der Sport- und Deutschlehrer Herr Nießen.

Ich sitze übrigens immer noch auf der immer noch sonnendurchfluteten Terrasse des heutigen Campus und halte an dieser Stelle gerne fest, dass die hiesige internationale Fachhochschule, europaweit – was sage ich – weltweit berühmt und anerkannt, einen komplett anderen Ausbildungsweg bietet, als es damals bei den Schulbrüdern im „St. Anno“ angesagt war. Alles hat also seine Zeit. Ich möchte die unsrige nicht missen. Auch das Leben auf dem heutigen, modernen Campus ist natürlich mit unserem damaligen „Zuhause“ überhaupt nicht zu vergleichen … alleine wenn ich jetzt die vielen hübschen jungen Damen in ihrer attraktiven Sommergarderobe sehe … wo ich es gerade denke fällt mir ein: Das hat uns damals wirklich zu unserem Wohlbefinden gefehlt! Aber: zu spät!

Zum Abschluss unserer damaligen Ausbildung haben wir natürlich auch eine „Bierzeitung“ für die Nachwelt verfasst. Ich war Mitglied der Redaktion und für die Chronik verantwortlich. Beeindruckend war dabei, wie schnell wir diese Zeitung erstellt haben (da könnte sich heute mancher Redakteur eine Scheibe abschneiden!). Kein Scherz: Redaktionsstart war damals Sonntag, der 6. März 1966, 10.30 Uhr – und die gedruckten und gebundenen Exemplare lagen doch tatsächlich schon am Montag, 7. März 1966 um 20.30 Uhr vor! Unsere Bierzeitung hatte übrigens einen Umfang von sage und schreibe 38 Seiten … für 8 Seiten der beliebten „Honnefer Wochenzeitung“ benötigt unser lieber Helmut Böndel heute dagegen fast eine ganze Woche … ha, ha, ha, ha, ha!

Ich schrecke auf: da kommt doch mitten in meine Erinnerungen platzend der Herr Böndel mit zwei von ihm bezahlten Espressos daher, schenkt mir, großzügig wie er sein kann, einen davon und fragt mich, wie es denn so steht und geht und macht den Vorschlag, dass ich meine eben erinnerten Erinnerungen doch einfach einmal aufschreiben solle. Für seine Zeitung natürlich. Und da ich gerne „ja“ gesagt habe, können Sie nun heute diese Zeilen hier lesen. Zeitlich konnte ich mir das natürlich nur sehr eingeschränkt leisten, da ich mich ja – inzwischen auch schon im 63. Lebensjahr – nach einem aufreibenden Berufsleben auf meinen wohlverdienten Ruhestand ab Juli dieses Jahres vorbereiten muss.

So – liebe Leserinnen und Leser, soweit so gut. Ich glaube, mehr Platz hat der Herr Böndel nicht für meine Erinnerungen in der heutigen Ausgabe. Es bleibt aber noch etwas zu sagen, und das können Sie dann in der kommenden Woche lesen.

Fortsetzung folgt

Kommentare

19 Kommentare to “Als der Campus noch St. Anno war”

  1. Matthias Boos on Mai 4th, 2011 16:04

    Hallo Herr Köjer, vielen Dank für diesen lebhaften Bericht. Ich selber war von 1969-1972 im St. Anno. Auch war ich in der Gruppe von Bruder Elmar. Einige Schulbrüder sind mir noch gut in Erinnerung geblieben. Nur fehlen mir die Namen dazu. Da war der Geschichtslehrer, der fast in jeder Stunde über Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) sprach, der Mathelehrer, der die Aufgabe hatte, alle in den Pausen im Klassenraum verbliebenen Mitschüler “an die frische Luft” zu vertreiben . Gerne denke ich an die Zeit zurück. Noch letzte Woche war ich in Bad Honnef, um alte Erinnerungen aufzufrischen. Mein heutiger Wohnort befindet sich im Ruhrgebiet, Mülheim an der Ruhr. Also, noch mal vielen Dank für die Fotos und den Bericht. Mit freundlichen Grüßen Matthias Boos

  2. "Lümmel" on Dezember 2nd, 2011 01:36

    Na, dann bestell dem Jörg Pütz mal nen schönen Gruß vom “Lümmel”, der die externen und zu der Zeit auch möglichen “halbinternen” sehr beneidet hat.

  3. Toepler on Februar 29th, 2012 14:33

    Würde gerne ebenfalls mich mit den ehemaligen austauschen,
    War auch bei Bruder Elmar (Kiste genannt) Bruder Sergius Bruder Wolfgang usw. Habe auch einen Video Film damals gemacht.

  4. Heinz Engelskirchen on Juni 1st, 2012 15:15

    Bin per Zufall auf diesen Bericht gestoßen. War genau 10 Jahre früher (!953-56) im “Anno”. Bruder Wolfgang war damals mein
    Klassenlehrer.
    Der Orden scheint sich aus Deutschland zurückgezogen zu haben.
    Ob Herr Kojer oder Ihr Archiv noch Unterlagen wie Schülerlisten etc. aus meinem Jahrgang hatWürde mich freuen, von Ihnen zu hören
    mfG
    Heinz Engelskirchen

  5. Alois Maul on Juni 14th, 2012 19:20

    Schön, diese Erinnerungen!
    Ich besuchte St. Anno von 1962 - 1965 und war Halbinterner sowie auch Externer. An jedem Schultag (bei jedem Wetter) fuhr ich von Oberwinter mit dem Rad via Rolandsecker Fähre nach Bad Honnef. Und wenn diese Fähre wegen Nebels im Herbst ausfiel (sie hatte damals kein Radar), blieb mir nicht anderes uebrig, als die nächste “Radar”-Rheinueberquerung von Mehlem nach Königswinter zu nutzen.
    Und von Januar bis Februar 1963 wohnte ich rund um die Uhr im St. Anno, da aufgrund des Eisganges der Schiffsverkehr auf dem Rhein eingestellt war. Ein Umweg ueber die nächste Rheinbruecke in Bonn mit dem Fahrrad wäre doch zuviel
    des Guten gewesen.
    Bruder Ludwig aus dem Saarland (ein grosser Frankreich-Freund) war unser Klassenlehrer. Er hielt immer lange Monologe ueber das Lieblingsland westlich seiner Heimat und ueber dessen Politik.
    Viele Grusse aus meiner neuen Heimat in Sued-Lappland/Schweden

  6. Alois Maul on Juni 14th, 2012 21:20

    Schön, diese Erinnerungen!
    Ich besuchte St. Anno von 1962 - 1965 und war Halbinterner sowie auch Externer. An jedem Schultag (bei jedem Wetter) fuhr ich von Oberwinter mit dem Rad via Rolandsecker Autofähre nach Bad Honnef. Und wenn diese Fähre wegen Nebels im Herbst ausfiel (sie hatte damals kein Radar), blieb mir nicht anderes uebrig, als die nächste “Radar”-Rheinueberfahrt von Mehlem nach Königswinter zu nutzen.
    Und von Januar bis Februar 1963 wohnte ich rund um die Uhr im St. Anno, da aufgrund des Eisganges der Schiffsverkehr auf dem Rhein eingestellt war. Ein Umweg ueber die nächste Rheinbruecke in Bonn mit dem Fahrrad wäre doch zuviel
    des Guten gewesen.
    Bruder Ludwig aus dem Saarland (ein grosser Frankreich-Freund) war unser Klassenlehrer. Er hielt immer lange Monologe ueber das Lieblingsland westlich seiner Heimat und ueber dessen Politik.
    Viele Gruesse aus meiner neuen Heimat in Sued-Lappland/Schweden

  7. Karl-Heinz Dißmann on Juni 25th, 2012 12:32

    Liebe ehemalige Annobrüder,

    ich war von 1960 bis 1963 dort externer Schüler. Die Reihe meiner Lehrer beginnt mit den Herren Niesen, Frömbgen, Fuchs, Gutwald, den Schulbrüdern Servatius (”Schraat”), Bernulf (”Fuss”),Landolf, Wolfgang , Elmar. Mein Nachbar an der “Doppelbank” war Rainer Bracke und seit dieser Zeit auf und davon.

    Gruß. K.H. Dißmann

  8. Helmut Bähren on August 14th, 2012 16:56

    Hallo,
    ich war von 1966 bis 1969 im Anno. Schulisch und sportlich die beste Schule, die ich besucht habe. Wenn wir mehr Freiheiten gehabt hätten, dann wäre es optimal gewesen. Auch wir haben die sieben Berge im Eilschritt mit Bruder Ludwig kennengelernt.
    Der war im Übrigen auch froh, als ich 1969 nach bestandener Prüfung nach Hause entlassen wurde.

  9. Rolf-Rüdiger Bäcker on August 18th, 2012 17:42

    Liebe Ehemalige,
    die Jahre 1960 bis 1963 waren nicht einfach, man hatte uns - und dafür kann man den damaligen “Paukern” nur dankbar sein, das nötige Rüstzeug für die Zukunft “eingetrichtert” bekommen.
    Vielleicht schafft es ein “alter Honnefer” ein Klassentreffen zu arrangieren??
    Beste Grüsse aus dem sonnigen Breisgau
    Rolf Bäcker

  10. Horst Wunderlich on Oktober 16th, 2012 22:29

    Ich bin schon ein “ganz Alter” ! Von 1953 - 1956 war ich Externer im Anno. Dazu
    noch in der evang. Minderheit. Der damalige Gemeindepfarrer Th. Heinemann kam einmal wö. zum Reli-Unterricht.
    Mein Klassenlehrer war Br. Wolfgang. Da war er noch kein Schulleiter oder Dir.ektor. Die von meinen Vorschreibern genannten Namen sind mir auch noch geläufig: Sergius, Elmar, Landulf, Marcellus “der Einarmige” gen. “Puma”. Dann gab es noch weltliche Lehrer: Einer hieß Brameyer (Steno). Und einen Sportlehrer, der hieß “Schwope”
    Der Schulleiter war damals Br……..Reichert. Vormame ist mir entfallen.
    Die kleine Gruppe der Externen waren außer mir - so weit ich mich noch erinnere: Bodo Wegner, Karl Ersfeld.
    So weit meine Erinnerungen. Vielleicht liest jemand aus dieser Zeit meine Erinnerungen und kann evlt. auffrischen!

  11. Wilfried Brust on Oktober 20th, 2012 20:16

    Ich war 1959 ein halbes Jahr (April bis Oktober) Schüler im St. Anno. Mein Klassenlehrer war Bruder Ludwig. Die Erziehungsmethoden damals waren leider sehr archaisch. Wir durften das St. Anno nur in Begleitung verlassen. Als ich mir mal während eines Spazierganges unterwegs in Bad Honnef für 10 Pfennige ein Eis gekauft habe, nahm wir spontan Bruder Ludwig das Eis weg und begründete dies mit dem Hinweis, wenn die anderen Schulkameraden kein Eis haben, brauchst Du auch keines. Toll. nicht wahr?
    Der Unterricht wurde fast stündlich für ein Gebet (bitte aufstehen - wir wollen uns kurz besinnen - unterbrochen. So etwas mußte wirklich nicht sein. Ganz abgesehen davon, daß wir auch wochentags öfters in die kleine Kirche gehen mußten.
    Der Schlafsaal befand sich m. E. im dritten Stock mit ca. 30 Mitschülern. Bruder Ludwig ‘wohnte nebenan’ und machte fast halbstündlich seine Kontrolle! Die Post (eingang wie ausgang) wurde penibel kontrolliert (geöffnet) und zensiert. Als ich einmal von meinen Eltern eine Kiste mit Coca Cola zugeschickt bekam, wurde diese sofort konfisziert. Desgleichen mit Süßigkeiten. Nach der Devise: was die Anderen nicht haben brauchst Du selber auch nicht! Toll!!!

    Ein weiteres Kuriosum:

    Der ‘Chef Bruder Wolfgang’ ermahnte uns bei Antritt in die Sommerferien: Man sollte beim Blickkontakt mit Frauen am Besten wegsehen und nicht durch seine Augen seiner eventuellen entstehenden Geilheit freien Lauf lassen. Dies war schon ein Hammer erster Klasse. Ich denke, er selbst hatte Probleme mit dem Umgang von Frauen!

    Wir hatten damals auch drei weltliche Lehrer (zwei Männer und eine Frau), darunter der Stenografie- und Maschinenschreiblehrer Herr Fuchs. Mit ihm konnte man gut auskommen und war sehr verständnisvoll für unsere kleinen und größeren Probleme.

    Summa sumarum kann ich konstatieren, daß das gute halbe Jahr im St. Anno für mich eine reine Leidenzeit war und ich deshalb sehr froh war, daß meine Eltern die ‘Einsicht’ hatten mich von diesem Los zu befreien.

    P. S.:

    Mit Bruder Ludwig hatte ich auch nach Abgang noch ein freundschaftliches Verhältnis durch einige Briefwechsel, die dann durch seinen Tod verstummten.

    Bruder Elmar, den ich zweimal in Illtertissen im Allgäu besuchen durfte war auch der Meinung, daß die damaligen Erziehungsmethoden in dieser Art übertrieben, wenn nicht letztendlich falsch gewesen waren. Aber all dies ist ja nun Schnee von vorgestern.

    P.S.: Es gäbe doch noch einiges positives wie auch negatives zu berichten, aber im Moment reicht es.

  12. Bernd Albert on Oktober 21st, 2012 20:03

    Hallo, liebe Ehemalige,
    ich habe die verschiedenen Berichte mit großem Interesse gelesen. Ich war im Anno von 1954-1957. Unser Jahrgang macht noch regelmässig alle 5 Jahre Treffen. Der damalige Englischlehrer, Herr Frembgen, nimmt auch noch teil. Der Bericht von Michael Köjer spricht mir “aus dem Herzen”. Ich habe mir durch mein Orgelspiel - ob im Anno oder in der Pfarrkirche von Bad Honnef in den Schulmessen - einige Freiheiten erkaufen können. - Ich werde mir mit Interesse weiter diese Seite ansehen, um eventuell auch noch etwas von Mitschülern zu hören.
    Gruß Bernd Albert

  13. Wilfried Brust on November 17th, 2012 20:46

    Sehr geehrte Redaktion,

    Leider kann ich nicht nachvollziehen, warum mein Beitrag vom 20. Oktober 2012 noch nicht veröffentlicht wurde. ### Edit: Hallo Herr Brust, tut uns sehr leid, das Ihr Beitrag nicht veröffentlicht wurde - tatsächlich gab es ein technisches Problem (mehrere Kommentare gleichzeitig freischalten hatte nicht funktioniert) - Ihr Beitrag ist jedoch nicht verloren gegangen und nun online. Mit freundichen Grüßen, Ihre Online-Redaktion. ###

  14. Elmer Rinkel on Januar 4th, 2013 13:01

    auch ich war von 1962 - 1965 als Internatsschüler im St. Anno.
    Mir ging das Herz auf, als ich diesen Bericht gelesen habe.
    Einfach toll, wunderbar - genau getroffen.
    Danke!
    Elmer Rinkel

  15. Günther Limbach on Januar 5th, 2013 17:46

    Zum Leserbrief des Horst Wunderlich v. 16.10.12 (St. Anno) kann ich noch 2 Namen der Externen von 1953 - 1956 beisteuern:
    Peter Holbach aus Königswinter und meine Wenigkeit (Hans-Günther Limbach aus Bad Honnef).

  16. Ermtraud Bernhard on Januar 12th, 2013 16:43

    Gut, dass ich endlich etwas über das Anno gefunden habe. War von 1976-1980 dort. Konnte leider wegen Krankheit meinen Abschluss, auch nach 4 Jahren nicht schaffen. Ich besitze noch Listen von Schülern aus den Jahren 77, 78, 79. Nachdem das Anno zur 2 -Jährigen Handelsschule und dazu noch mit weiblichen Schülerinnen bestückt wurde, ist die Schule rasch den Bach herunter gekommen und die Brüder haben an das Bistum Köln verkauft. Die wiederum veräußerten das Anno-Gelände, welches in den 90.-Jahren noch Asyl suchenden Menschen diente, an die Stadt Bad Honnef. Im ersten Jahrzehnt von 2000, entstand dann der Campus, der mit Hilfe vom Bund, sprich Bundesbauministerium, mitfinanziert wurde. Meine Zeit auf dem Anno habe ich als halbinterner Schüler verbracht, die ersten beiden Jahre verliefen recht gut, doch durch eine Operation im Januar 1979, verlor ich den Ansschluss und schaffte leider auch im Wiederholungsjahr, den Abschluss nicht. Trotz allem habe ich nie aufgegeben und das Wissen, dass mir die Schulbrüder beigebracht haben, kann mir keiner nehmen. Bei uns hieß der Direktor Bruder Wolfgang, auch Boss genannt. Elmar hatte ich als Steno- und Schreibmaschinenlehrer. Bruder Bernhard, Brother genannt, war der Englischlehrer.

  17. Norbert Lercher on Januar 14th, 2013 13:34

    ich war von 1961 bis 1964 als interner im st. anno…………und einiges habe ich anders in erinnerung, als der bericht von michael kojer wiedergibt. und aus heutiger sicht sehe ich die dinge auch selbstverständlich anders als es mir damals vorkam. klar, es war irgendwie streng, doch muss ich im nachhinein feststellen, es war erträglich. wir hatten als präfekten zunächst bruder erich, dann den schweizer marcell und am schluss bruder elmar, den ich persönlich nicht in guter erinnerung habe. und dass dieser präfekt mit den schülern in der kneipe bier getrunken und zigaretten geraucht haben soll, ist für mich kaum nachvollziehbar. aber das möchte ich jetzt nicht in frqge stellen. bruder elmar war für mich eher ein kotzbrocken……….na ja, ist ja lange vorbei. die übrigen lehrer und brüder waren in ordnung. und im großen und ganzen hat es mir im anno ganz gut gefallen, besonders erinnere ich mich gerne an so manch geschlossene freundschaft. unser jahrgang hat sich noch zuletzt im jahre 2011 im anno getroffen. es war ein schönes treffen……….und das nächste treffen ist für dieses jahr bei einem mitschüler an der mosel geplant. daraus darf man durchaus schließen, dass wir doch alle gerne an die zeit im anno zurückdenken. und wenn ich daran denke, dann wir heimlich schnell über die luisenstraße huschten, um auf der anderen seite schnell einige süßigkeiten zu kaufen……….und immer die sorge, dass man erwischt wurde. und die heimliche besuche im düsseldorfer hof bei unseren freigängen waren auch stets mit einem schlechten gewissen und der angst, erwischt zu werden, behaftet. und da war noch der alte bruder, der einen großteil seines lebens auf madagaskar verbracht hat und gerne zigarren rauchte. er stand an besuchstagen am tor und erfreute sich an den zigarren, den besucher im zusteckten. das sind so menschliche kleinigkeiten, an denen ich mich gerne erinnere. allerdings denke ich auch an die kalten fußwaschungen im keller,,,,,,,,,vom dritten stock runter mit nacktem oberkörper. da waren frieren angesagt, ok, das machte uns dann wieder stark……….das kam uns beim sport entgegen……
    ich komme ins träumen, der artikel wird zu lang.
    ich bin jedenfalls dankbar für die zeit im anno……den lehrern, erziehern und nicht zuletzt meinen eltern, die letztlich die kosten für den aufenthalt im anno getragen haben.

  18. Heinz-Willi Faßbender on Januar 17th, 2013 13:51

    Mit Interesse habe ich die Zuschriften gelesen. Ich war - zusammen mit meinem schreibenden Vorgänger Norbert Lercher - ebenfalls von 1961 bis 1964 “auf dem Anno”. Wir waren in der “b”, und ich gerne mehr als gerne an diese Zeit zurück - vielleicht vor allem deshalb, weil ich als Bad Honnefer natürlich “nur” Externer war. Ich weiß nicht, ob ich die drei Jahre als Interner durchgehalten hätte, tauschen wollte ich damals mit meinen internen Klassenkameraden nämlich nicht.

    Als Externer war es für mich eine hervorragende Schule, auf die schon in der Zeit von 1959 bis 1952 mein Bruder Toni gegangen war. Für den, der eine kaufmännische Berufslaufbahn einschlagen wollte, gab es damals kaum eine bessere Schule. Ich habe das später als angehender Bankkaufmann in der Berufsschule gemerkt, wo die ersten beiden Jahre praktisch nur eine Wiederholung dessen waren, was wir im Anno gelernt hatten.

    Ich bin - so sehr muss mir das Spass gemacht haben - nachmittags zum Steno-Schnellschreiben freiwillig ins Anno gegangen - und kann Steno heute noch! Das gilt auch für’s Maschinen-Schreiben - wer bei Bruder Landulf das Zehn-Finger-Blind gelernt hatte, vergisst das wohl nie. Das Gleiche gilt auch für die Kunstschrift, die ich Jahre später zu meinem Hobby gemacht habe.

    Klasse fand ich damals, dass der Sport (vor allem Fußball) im Anno großgeschrieben wurde! Wie oft bin ich nachmittags zum Fußball auf den Anno-Platz oder aber auf den “Asbacher” gegangen!

    Schlimm für mich war als Einheimischer die Zeit, als die Stadt Bad Honnef das leerstehende Anno für die Unterbringung von Asylanten angemietet hatte. Wie sah das da aus! Ich bin den Weg von Selhof in die Stadt am O-Bach vorbei einfach nicht mehr gegangen, weil ich den Anblick nicht ertragen konnte. Glücklicherweise kam das Gelände durch die Etablierung der Int. Fachhochschule wieder in Schuss - und präsentiert sich heute m.E. hervorragend (auch wenn manche Ehemalige das jetzt durch die zusätzliche Bebauung nicht so gut finden) und sehenswert!

    Ach, es gäbe noch soviel von damals zu erzählen! Gottseidank treffen wir uns in einigen Wochen zu einem neuerlichen Klassentreffen - da können wir wieder mal so richtig in Erinnerungen schwelgen! Für mich bleibt die Ekenntnis, dass mich die drei Jahre auf dem Anno ziemlich geprägt haben - nicht nur fachlich. Gut, dass wir damals das Anno hatten.

  19. Löfken, Otto on Februar 11th, 2013 22:20

    Von 1954 bis 1957 war ich, wie Bernd Albert, Schüler im St. Anno.
    Die Schule hat mein Leben geprägt und nochmals einen herzlichen Dank an alle Schulbrüder und Lehrer. Es war eíne schöne Zeit.
    Otto Löfken

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?