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Geutebrück: Der „Steve Jobs“ aus Bad Honnef

Februar 24, 2013

HONNEFER UNTERNEHMER: Thomas Geutebrück erzählt die Geschichte seines Unternehmens Teil 1

Der erste Messestand der GEUTEBRÜCK Videotechnik KG, rechts: Thomas Geutebrück.GVT Videorecorder aus dem Jahr 1972.Bonn, Anfang der 1960er Jahre – ein Arbeitskollege in einer deutsch-amerikanischen Firma in Bonn ging immer wieder an den teuren Xerox-Kopierer und kopierte „Privates“ – kopieren in dieser hochwertigen Form war damals sehr teuer, privates Kopieren streng untersagt! Er kopierte Seiten einer japanischen Zeitschrift, Beschreibungen von Amateurfunkgeräten, mit denen er einen privaten Versandhandel betrieb.

„Kannst Du auch machen, such Dir was raus“ – und er gab mir eine Ausgabe der „ Japanese Electronic Engineering“. Ich wollte ihm natürlich keine Konkurrenz machen, also suchte ich nach etwas Anderem.

Nach ersten – wenig erfolgreichen – Versuchen mit HiFi Bausätzen war ich nun auf der Suche nach einem Produkt, das dem Zeitgeist entsprach und schon fertig war, an dem niemand mehr löten müsste: Ich entdeckte eine Fernsehkamera. Ziemlich kompakt war das Gerät, nicht viel größer als die heutigen, obwohl, da mit einer „Vidikonröhre“ als Bildaufnehmer ausgerüstet, auch noch eine Ablenkspuleneinheit im Gehäuse Platz finden musste. Fernsehkameras ähnlicher Art kannte ich nur von sehr großen Bahnhöfen. Dort konnte man gelegentlich ein einzelnes klobiges Gerät entdecken, Siemens stand drauf, oder Grundig. Das entsprechende Sichtgerät stand offenbar auf dem Schreibtisch eines wichtigen Bahnbeamten, man sah es nie.

Die Technik hieß damals „Industriefernsehen“. Ein Schwarz-Weiß-Fernsehgerät hatte fast jeder Haushalt, aber vor einer Kamera selbst hatte kaum jemand gestanden. Wie albern, Fratzen schneidend benahmen sich seriöse Besucher später auf unseren ersten kleinen Messeveranstaltungen, wenn sie sich selber auf dem Monitor sahen. Eine „Industriefernsehkamera“ von Grundig, so erfuhr ich, kostete mehrere tausend Mark. Die japanische sollte 450 DM kosten. Da glaubte ich, sei doch wohl reichlich Spielraum drin, auch wenn ich nicht Siemens hieß. Mein erstes Kamerabild braucht einen Namen. Ich ersann „Telebild“. Es war die Zeit, in der die ersten Supermärkte entstanden. Noch bescheiden in der Ausdehnung, keiner wie ein heutiger Lidl oder Aldi. Es war aber offenbar leichter geworden, sich am Warensortiment ohne pekuniäre Gegenleistung, sprich, ohne zu bezahlen, zu bedienen.

Mein Bruder wohnte damals in Köln und dank seines angeborenen Überzeugungstalents verkaufte er die ersten „Telebild“-Kameras an den Supermarkt „Zum Bösen Wolf“. Er kannte aus einer Kölner Altstadtkneipe jemanden, der war Industriedesigner. Der schweißte aus Stahlprofilen Wandhalterungen zusammen. Da „Telebild“ neben einem Videoausgang einen, wenn auch simplen, Hochfrequenzmodulator besaß, ließen sich normale Fernsehempfänger als publikumswirksame Sichtgeräte benutzen.

Unser erster Kunde hatte und plante noch weitere kleine Supermärkte. Im Gegensatz zu den Bastlerkunden der ersten Stunde, zahlte er – wenn auch zögerlich – seine Rechnungen.

Jetzt war es an der Zeit, eine ordentliche Firmenform zu finden. Die GVT – Geutebrück Videotechnik KG entstand.

Eine Firma zu gründen und zu führen ohne die geringsten betriebswirtschaftlichen Kenntnisse – nun das Risiko sah ich gar nicht! Ich sah überhaupt kein Risiko, was konnte ich schon verlieren, außer 10.000,00 DM gespartes Geld. Da mir meine wenigen eingekauften Fernsehkameras, Objektive und 23“ Monitore nicht gerade aus den Händen gerissen wurden, studierte ich weiterhin die abonnierte und monatlich erscheinende Zeitschrift JEE, um mein Vertriebsprogramm zu diversifizieren.

Ich entdeckte eine weitere Firma, die Fernsehkameras anbot: „Ikegami“ hieß sie.

Ich schrieb Ikegami nach Japan, dass ich interessiert sei, ihre Kameras und Monitore zu importieren und in Westdeutschland zu verkaufen. Das Antwortschreiben kam aus Düsseldorf, man schrieb mir sogar auf Deutsch. Man sei eine Import-Export-Firma, vertrete unterschiedliche japanische Firmen und sei sehr interessiert daran, mit mir zu reden, da man einen oder mehrere Vertriebspartner für „Ikegami-Produkte“ suche.

Ein Herr Masche kündigte seinen Besuch an und bat das vorgeschlagene Datum zu bestätigen. Ich tat es, denn der Termin gab mir drei Tage Zeit zum Nachdenken.

Im elterlichen Haus gab es einen relativ großen Raum, vom Eingangsbereich der Haustür durch eine Glaswand getrennt. Dieser Raum sollte mein Büro werden. Bisher stand dort ein abgelegter Schreibtisch aus dem Büro meines Vaters, darauf eine Olympia-Reiseschreibmaschine und ein Telefon. Eine zu bescheidene Ausstattung, um Herrn Masche von Nichimen davon zu überzeugen, dass ich Ikegami- Produkte in hinreichender Menge verkaufen zu können, in der Lage sei. Eine Ein- Personenfirma mit Reiseschreibmaschine sicherlich nicht. Zumindest eine Sekretärin musste her, mit einer ordentlichen Schreibmaschine. IBM-Kugelkopfmaschinen waren damals die „Renner“ in den Chefsekretärinnenbüros. Ich dachte nach – dann kam mir die Idee!
Fortsetzung folgt

GEUTEBRÜCK ist seit mehr als 40 Jahren Spezialist für innovative Videosysteme. Einzelgeräte und fertig montierte Systemschränke werden vom Stammsitz in Windhagen in mehr als 40 Länder exportiert. Mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz, weltweit rund 220 Mitarbeitern in 12 Niederlassungen auf allen Kontinenten und nationalen und internationalen Referenzen ist GEUTEBRÜCK anerkannter Experte und zählt zu den Weltmarktführern. |eb