Klimawandel - Handeln in globaler Verantwortung

Das reale Leben ist da draußen…

Februar 19, 2010

Protokoll einer Reise nach Kasambya – Heinz van den Berg

Heinz van den BergAm 2.2. werde ich nach einer zweiwöchigen Rundreise durch Uganda in Entebbe von meinem Freund, Father Charles Mubiru, einem katholischen Priester, abgeholt. Spannung pur.

Die Hauptstraße von Kampala nach Mityana lässt nur die Durchschnittsgeschwindigkeit eines schnellen Radfahrers zu. Der Weg von Mityana nach Kasambya ist nur noch eine Schotterpiste von ca. 30 Kilometern Länge. Hügeliges Land, Bananen, Kaffee, Tee, Matooke, Papyrus…, einzelne Hütten. Wir passieren zwei Dörfer. Die Bewohner winken uns zu. “Musungu, Musungu” rufen die Kinder und lachen. Weiße Gesichter sehen sie hier nur selten.

Alle Menschen sehen fröhlich aus. Ihre Häuser sind mehrheitlich aus einem Fachwerk von Ästen und Zweigen, verfüllt mit Lehm. Sehr häufig sind nicht nur die oft mannshohen roten Termitenbauten, sondern auch große Stapel getrockneter Lehmziegel, die aufs Brennen warten. Mehr und mehr werden die einfachen Hütten durch feste Häuser ersetzt.

Männer, Frauen und Kinder leben vor und in den mit Stroh oder Wellblech gedeckten Häusern in großen Familien miteinander. Man sitzt oft auf dem Boden oder steht gerade an der Kochstelle außerhalb des Hauses. Daneben ein Regal aus Ästen, worauf das gespülte Geschirr trocknet. Der Kinderreichtum hier steht in krassem Gegensatz zu unserer Kinderarmut.

“Dies ist jetzt Kasambya” höre ich Charles sagen. Ich habe den Übergang von loser Besiedlung zum Dorfeingang gar nicht wahrgenommen.

Ich bin angekommen! Aufgeregt filme ich die “Hauptstraße”, die sich in keiner Weise von dem bisherigen Wegezustand unterscheidet. “Wo ist hier die Dorfmitte?” - Die gibt es nicht! Kasambya hat die Form eines asymmetrischen “W” von beachtlicher Ausdehnung. Zwei Kilometer schätzt man, bar jeder Nachprüfbarkeit. Google Earth könnte helfen, aber diese Gegend der Welt ist für die Google´s uninteressant. Ich werde scheinbar vom ganzen Dorf erwartet. Mir stockt der Atem. Wie soll ich mit der Prozedur bloß fertig werden. Father Charles hat alles perfekt geplant. Begrüßung mit ugandischem Freundschafts-Händedruck, Frauen, die am Boden knien, Kinder, die im Hintergrund bleiben. Zwei Sessel im Zentrum der Runde. Ehrenplätze für Charles und mich. Im Rechteck dann einfache Bänke und Matten.

Der stellvertretende Vorsitzende redet, nachdem das Festprogramm feierlich verkündet wurde. Dankbarkeit aus jedem Wort und jeder Geste für die Hilfen aus Deutschland. Ich sitze da und bin fassungslos. Dann, nach F. Charles` Begrüßungsrede - ich merke, wie sehr er anerkannt ist, geachtet und geehrt wird - muss ich in die Bütt. Es fällt mir gar nicht so schwer wie befürchtet. Ich betone, dass mein Besuch unter der Zielsetzung steht, auch selbst zu lernen und bereichert nach Hause zurückzukehren. Auch einen kleinen Scherz übersetzt Charles in die Sprache der Einheimischen - Luganda - so dass geschmunzelt und gelacht wird. - Die Menschen (vor allem Frauen) tanzen und singen. Jetzt bin ich wirklich angekommen. Charles, mein sehr aufmerksamer Begleiter und Dolmetscher, geht mit mir von Haus zu Haus. Wir beginnen am nordöstlichsten Zipfel des “W” unseres Dorfes und erfragen, was die Menschen freut und was ihnen fehlt. Sarah baut eine “Zielpyramide” auf. Schulbildung für alle an oberster Stelle, finanziert durch höhere Agrar-Erträge, diese wiederum mit Hilfe einer Genossenschaft (das passt genau zu unseren Handlungsansätzen!). - Wir diskutieren angeregt und aufgeschlossen auf beiden Seiten.

Ich notiere mir den Inhalt der Gespräche:

  • “Selbst den Mais dreschen”, das spart viel, aber eine Maschine fehlt. Diese müsste durch das verzweigte Dorf transportiert werde. Aber dazu fehlt ein Kleinlaster.
  • Eine “Spargruppe” im Dorf gründen, wie ich sie auf meiner vorausgegangenen Rundreise mit Tukolere Wamu beispielgebend erlebte. Klare Regeln! Sparen mit der Möglichkeit von Kleinkrediten aus der eigenen Dorfkasse. Das schafft Selbstvertrauen, sichtbares Eigenkapital, Selbstständigkeit und Zusammengehörigkeit der Gemeinschaft. Ja, sogar Verringerung von Gewalt in den Familien, weil Frau und Mann sich abstimmen, bevor sie zur wöchentlichen Sitzung gehen.
  • Schweine oder Ziegen nicht mehr frei laufen lassen. Vermeidung von Verbiss an Nutzpflanzen, Krankheiten und Verlusten von Tieren. Im z.B. monatlichen Zyklus sind Familien für die Fütterung verantwortlich. Spezielles Futter kann beigegeben werden, z.B. um die Milchproduktion und -qualität zu erhöhen und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährung zu leisten.
  • Schubkarren werden gebraucht! Ich übergebe einem aufgeschlossenen, aktiv mitwirkenden jungen Mann eine Skizze und Ideen, wie sie mit geringstem Aufwand selbst hergestellt werden könnten und bitte ihn, sich mit einem Freund dafür zusammenzuschließen.
  • Ich zeige und erkläre, welche Vorteile eine Gabel mit verbogenen runden Zinken (”Karst”) bei der Feldarbeit haben kann.
  • Einem Mann aus dem Nachbardorf, der den Bewohnern des Nordost-Zipfels von Kasambya offensichtlich näher steht als seinem eigenen Dorf, hat schon Ideen von Kasambya übernommen und möchte bei uns “Mitglied” werden. Wir haben ihm eine andere Möglichkeit empfohlen. Er versucht - mit Hilfe eines unserer Aktiven – in seinem Dorf eine Gruppe zu gründen, nachdem er z.B. dreimal an unseren Versammlungen hospitierend teilgenommen hat. Das verhindert Konflikte bei uns und zwischen den Dörfern und erweitert unseren Handlungshorizont, ohne dass wir unsere Projektgrenzen sprengen.
  • Allgemein treten wir vehement dafür ein, Skeptiker ernst zu nehmen und ihre Bedenken bei Entscheidungen zu würdigen. Auch gilt es, zugezogene “Fremde” aufzunehmen (z.B. eine Frau aus Ruanda mit ihren 3 Kindern)

Wir führen in zwei Tagen 13 solcher Gespräche und tun manches zwischendurch. Ich überbringe Geschenke, Grüße und Wünsche der deutschen Paten, eine sehr angenehme Aufgabe.

Während der Abschiedsfeier am Ende des dritten Tages haben wir die wesentlichen Gedanken und Anregungen wiederholt und finden breite Zustimmung. Nun müssen wir in unserem Projektteam in Deutschland die Punkte klären, ob wir die zum Teil notwendigen Aufwendungen für Hilfen bieten wollen und können. Die Abschiedsfeier ist begleitet von Gesang, Tanz und guten Worten. Ich fühle mich jetzt dazugehörig!

Noch einmal betone ich, dass wir auf Augenhöhe miteinander reden und handeln. Was wir lernen, ist schwerlich mit Geld zu bewerten. Lebenshaltung, große Freude und Freundlichkeit bei bescheidener Lebensweise. Dafür gibt es in Deutschland keine Kurse. Irgendwie fühle ich, dass hier das reale Leben ist.

Nach 3 Tagen in Kasambya fliege ich heim und freue mich auf meine Familie und die kalte Witterung.

Wir proben den "Ernstfall"

Juli 9, 2009

Versuchsaufbau der ersten Photovoltaik-Anlagen für Kasambya

Vor wenigen Tagen hat Solarworld die ersten beiden Photovoltaikmodule ausgeliefert. Zusammen mit den so genannten „Lightboxen“ der Firma Energiebau aus Köln werden die ersten zwei Häuser in Kasambya noch in diesem Jahr mit Strom versorgt. Doch wie funktioniert die Installation der Stromanlage ohne Strom, ohne Akkuschrauber und ohne elektrische Bohrmaschine? Ein Probeaufbau sollte Klarheit bringen.
So probten am 8. Juli zwei Projektmitglieder der Father Charles Convention den „Ernstfall“.

Gabor Pribil und Peter Hurrelmann montieren den Testaufbau

Aufzubauen waren ein 80Watt Photovoltaik-Modul sowie die „Lightbox“ in deren Metallgehäuse eine wartungsfreie Gel-Batterie ein Laderegler und eine 12V-Steckdose miteinander verkabelt sind.
Durch die hervorragende technische Unterstützung von Solarworld war das Zusammenfügen der Komponenten letztendlich ein Kinderspiel und war innerhalb von 1 Stunde betriebsfertig.
Im Rahmen eines Vorprojektes mit Solarworld bekommen zunächst zwei von den 100 Häusern in Kasambya eine Photovoltaikanlage.
Damit haben dann diese beiden ersten Haushalte in den Abendstunden und nachts Strom für Licht, das Laden von Handys und Energie für Radios. Mit den zwei Anlagen soll der in der Ausbildung befindliche Elektriker Charles Mubiru erste Erfahrungen beim Bau, der Wartung und der Reparatur sammeln. Andererseits wollen wir die Akzeptanz bei den Bewohnern testen.

Bei der nächsten Projektreise im August, werden wir die Rahmenbedingungen ermitteln. Dabei sind die Beschaffenheit der Umgebung, der Aufstellungsort und die Ausrichtung der Module sowie Kabellängen zu beachten.

Im Herbst werden die Anlagen nach Uganda verfrachtet und von Gabor Pribil in Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Kasambya aufgebaut.

Langfristig soll jede Familie in den Genuss einer PV-Anlage kommen. Als Gegenleistung für die Bereitstellung des Stroms sollen die Bewohner Aufgaben im Projekt wahrnehmen, zum Beispiel die Herstellung von Ziegelsteinen für den Bau eines Schulgebäudes und der Produktion von Jatropha zur Biodieselölgewinnung.

Am Anfang steht die Gesundheit der Bewohner!

März 12, 2009

Dr. Ulrich Schmitz aus Bad Honnef, der als erstes Projektmitglied in Kasambya war, hat unvergessliche Eindrücke von seiner Reise mitgebracht.
Reisebericht aus Kasambya von Dr. Ulrich Schmitz
Hier sein spannender Bericht als pdf-Download.

Ein Kaufhaus für Kasambya!

Januar 7, 2009

Ein Kaufhaus für Kasambya!2009 beginnt gut. Pünktlich zum Start des neuen Jahres haben wir unsererm Webauftritt ein Einkaufsportal hinzugefügt.  Eine neue Art einfach zu helfen, denn wenn Sie über unser Portal im Internet einkaufen, unterstützen sie unser Projekt und helfen damit direkt den Menschen in Kasambya. Alle angeschlossenen Firmen haben sich verpflichtet bei jedem Einkauf über das Portal einen Betrag an unser Projekt zu spenden.

Probieren Sie es mal aus uns schauen Sie rein. Es lohnt sich vielleicht auch für Sie. Aber ganz besonders hilft es den Bewohnern von Kasambya.
Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.fachco.de .

SolarWorld sponsert Sonnenenergie

November 7, 2008

KASAMBYA: Father Charles Convention

SolarWorld sponsert SonnenenergieWir sind dabei! Das haben wir wirklich nicht zu hoffen gewagt!“ freut sich Gabor Pribil, verantwortlich für Energie im Projekt „Hand in Hand for a better life“.Von der Initiative Solar2World der Bonner SolarWorld AG bekommt der Verein kostenlos die notwendigen Solarpanels zur Stromerzeugung sowie die dazu benötigten Wechselrichter für Kasambya in Uganda.

Angefangen hatte alles mit einer kurzen Zeitungsmeldung, in der SolarWorld ein Sponsoring für gemeinnützige Zwecke ankündigte. Gelesen und zum Telefon greifen war für Gabor Pribil ein Gedanke. Ein kurzfristig vereinbarter Termin brachte das Projekt dann sofort um Lichtjahre weiter. SolarWorld AG hat den Verein und das Projekt „Hand in Hand for a better life“ genauestens unter die Lupe genommen und für das Programm SolarWorld ausgewählt.Mit diesem Programm hat sich SolarWorld entschlossen, einen Teil ihrer Produktion, sogenannte „Charity-Module“, ausgewählten gemeinnützigen Initiativen zur Verfügung zu stellen. Weiterlesen

Mal eben eine Mail schreiben…

August 25, 2008

Mal eben eine Mail schreiben…Stellen Sie sich vor es klingelt am Telefon und Sie ruft ein Bekannter an (über Skype oder Handy), der Ihnen im Internet mal eben ein super tolles Angebot zu einem Schnäppchenpreis zeigen möchte. Ganz einfach, sie setzen sich an Ihren Rechner, heutzutage sind es ja zunehmend Notebooks oder Laptops, und Ihr schnurloses Telefon oder besser Handy, weil Sie haben ja eine Flatrate, halten Sie in der Hand… Man könnte eine solche Situation weiter ausschmücken bis zu dem Zeitpunkt, an dem Sie durch einen Expressdienst Ihre Schnäppchen in Empfang nehmen.

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Entwicklungshilfe muss ganz anders laufen (III)

August 15, 2008

ENTWICKLUNGSHILFE: Versuch einer Erklärung in drei Teilen. Teil III. Kasambya: „Aus der Steinzeit direkt ins Global Village“ Die Zeit ist hier vor 9.000 Jahren stehengeblieben

Kommen wir zurück auf unser kleines Kasambya. Gemessen an der ganz großen Weltgeschichte stehen die Menschen hier, bezogen auf die beschriebene Entwicklungsgeschichte am Beginn der Sesshaftigkeit, also am Ende der Steinzeit. Vielleicht sind sie hier erst 30 Generationen sesshaft, vielleicht auch 50, also nur 1.500 Jahre. Bezogen auf unsere europäische Geschichte, ein relativ kleiner Zeitraum. Nomadenleben war, wie gesagt ein einfaches Leben und Afrika bot sehr lange die besten Vorraussetzungen dafür. Wenige Menschen und Nahrung im Überfluss. Für unser Projekt bedeutet das aber, dass sie eine Entwicklung von 300 Generationen überspringen müssen, um innerhalb der nächsten fünf Jahren auch mental in die heutige Zeit zu gelangen. Klar kennen viele schon die Errungenschaften der modernen Zivilisation. Aber zum Kauf fehlt ihnen das Geld. Ihr Einkommen liegt deutlich unter der von den Vereinten Nationen definierten Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag, wenn überhaupt.

Aus der Steinzeit direkt ins Global VillageKasambya hat zwar einen Dorfältesten. Aber niemand hat sich beruflich spezialisiert. Man sorgt „von der Hand in den Mund“ für seinen eigenen täglichen Bedarf. Im Wesentlichen sind es die Frauen, die versuchen, so gut es geht, das Überleben der Familien zu sichern. Sie bestellen die Felder und versorgen die Familien und erziehen die Kinder. Es gibt so gut wie keine Vorrats- geschweige denn Überschusswirtschaft. Daher auch keinen Handel und daher auch kein Einkommen. Kasambya hat bisher keine ausgeprägten sozialen Schichten und kennt daher auch keinen Neid.

Spätestens jetzt sollten einem Zweifel am Sinn von Entwicklungshilfe kommen. Wollen wir das wirklich verändern?

Ja! Wir wollen das, denn das Rad der Geschichte lässt sich auch hier nicht mehr zurückdrehen.

Wir beziehen unsere Motivation nicht aus Mitleid, sondern aus unserem Sinn für Chancengleichheit, denn die Welt wächst in unglaublicher Geschwindigkeit zum „Globalen Dorf“ zusammen. Weltweit versuchen alle Industrienationen, hektisch und unkoordiniert die letzten Ressourcen unseres Planeten für ihr Wirtschaftswachstum zusammenzukratzen. Das hat historischen Hintergrund und ist aus ihrer Sicht sicherlich legitim. Chinesen, die zurzeit mit großer Macht reich werden wollen und deren Volkswirtschaft global und besonders in Afrika alle Rohstoffe verschlingt, derer sie habhaft werden können, stehen heute an der Spitze dieser Entwicklung. Wir wollen, dass unser kleines Dorf, und zwar alle Frauen und auch die Männer hier beteiligt werden, damit es eben nicht von wirtschaftlichen Interessen getrieben von der Bildfläche verschwindet.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ ist dabei unser oberstes Ziel. Wir verschenken keine Almosen, sondern wir werden die Menschen und ihre nachfolgenden Generationen auf ein nachhaltiges Leben vorbereiten. Und das betrifft wirklich alle Lebensbereiche. Motivation und Bildung spielen die tragende Rolle. Aber auch Ernährung, Wasser, Gesundheit und Hygiene, Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Technologien gehören dazu.

Wir haben den direkten Kontakt zu den Menschen, planen und bauen mit ihnen gemeinsam. Unsere finanziellen Beiträge versickern nicht in ominösen Organisationsstrukturen, sondern werden bezogen auf die jeweilige Maßnahme direkt zur Verfügung gestellt.

Schließlich müssen sie innerhalb von fünf Jahren 9.000 Jahre menschlicher Entwicklungsgeschichte nachhaltig überspringen.

Ein komplexes Projekt, von dessen Erfolg wir überzeugt sind.

Das Team der „Father Charles Convention“

Entwicklungshilfe muss ganz anders laufen (II)

August 8, 2008

ENTWICKLUNGSHILFE: Versuch einer Erklärung in drei Teilen. Teil II. Wir „erfinden“ den Krieg!

Sesshaftigkeit ist ein ganz schön kompliziertes Leben

Nehmen wir unsere direkten Vorväter in der Levante mal genauer unter die Lupe. Vor 400 Generationen – also vor ungefähr 12.000 Jahren – haben sie die Sesshaftigkeit erfunden. Und damit wurden wirklich alle Lebensbereiche menschlichen Daseins völlig umgekrempelt. Eine Revolution, wie man heute sagt. Ein monumentaler Schritt in die Zukunft, wenn man bedenkt, wie einfach doch das Nomadenleben vorher war. Und das kam so.

In der Levante, wo unsere Ahnen zu Hause waren, wurde es im Laufe der Zeit zu eng. Zu viele Menschen tummelten sich auf zu wenig Platz. Und die Nahrung wurde knapp, weil sich das Klima mal wieder veränderte. Permanenter Klimawandel war immer schon der zentrale Motor für menschliche Evolution. Er zog immer tiefgreifende Reaktionen in der Entwicklung der Menschheit nach sich. Wahrscheinlich würden wir ohne Klimawandel immer noch in Afrika auf den Bäumen leben.

Sesshaftigkeit ist ein ganz schön kompliziertes LebenAber zurück in die Levante. Damals hatten wahrscheinlich Männer die Idee, wildlebende Tiere einzufangen und zu züchten. Es waren harmlose Tiere, die dem Menschen nicht gefährlich werden konnten, wie Ziegen und Schafe. Aber auch Hunde wurden schon aus Wölfen gezähmt.

Damit war die schnelle Wanderung von einem Ort zum nächsten schwieriger geworden. Aber das Land war fruchtbar genug, um die Tiere an einem Ort zu ernähren. Und wahrscheinlich waren es die Frauen, die anfingen, an dem jetzt festen Wohnort Getreide und Früchte zu züchten. Das Nahrungsangebot war nicht mehr so vielseitig, wie im Nomadenleben. Die Körpergröße der Menschen nahm dadurch ab. Man fing an, Behausungen zu bauen. Dafür entwickelten sich Spezialisten, die das besonders gut konnten. Man konnte Vorräte für schlechte Zeiten anlegen. Sesshaftigkeit zog in allen Kulturen die Töpferei von Vorratsbehältern nach sich. Aber die Männer hatten nach 150.000 Generationen ihre ureigenste Aufgabe als Jäger im Wesentlichen verloren. Für eine Übergangszeit übernahmen die Frauen die wirtschaftliche und organisatorische Führung der Sippe. Weitere spezielle Handwerke entwickelten sich.

Besitz entstand und damit auch soziale Schichten. Einer war erfolgreicher und hatte mehr. Der andere weniger. Neid kam auf. Raub und Kriege – also organisierter Raub – entstanden. Eine neue Aufgabe für die Männer. Sie Übernahmen die Rolle des Angreifers aber auch die des Verteidigers. Bei Konflikten konnten die Menschen nicht mehr ausweichen, und man musste man sich vor den Feinden schützen. Zum Beispiel mit hohen Mauern um den Siedlungsplatz. Das ummauerte Jericho ist eines der ältesten Beispiele dafür.

Man grenzte sich regional immer weiter ab. Grund und Boden gehörte jedoch dem Bauern. Es gab noch keine feudalistischen Strukturen. Abhängigkeiten von einem Grundherrn entstanden erst im frühen Mittelalter.
Überschüssige Waren wurden zunächst getauscht. Daraus entwickelten sich Mathematik und Schrift, um die Handelsware zu verwalten. Die Keilschrift der Sumerer auf kleinen faustgroßen Tontäfelchen dokumentierte also anfangs im wesentlichen Warenmengen, also Zahlen. Das erste Geld entstand und es bestand zu Anfang aus verschieden langen Kupferdrähten. Dienstleistungen gegen Geld konnten sich entwickeln.

Rechtliche Aspekte, wie das Weitervererben von Besitz aber auch für andere soziale Bereiche mussten geregelt werden. Komplexe Zukunftsplanungen und ein Beamtenapparat zur Verwaltung aller Aspekte wurden erforderlich. Ein Bildungssystem entstand. Der Altenkult wurde über Bord geworfen. Man konnte ja jetzt Wissen durch Schrift konservieren. Sich spezialisierende „Priester“ organisierten Religionen, und institutionalisierten die Hochzeiten und den Totenkult.

Die Bevölkerungszahl wuchs mit der beginnenden Sesshaftigkeit zunächst dramatisch. Enges Zusammenleben mit Haustieren zog ansteckende Krankheiten nach sich, die vom Tier auf den Menschen übersprangen. Masern als älteste bekannte Infektionskrankheit hat ihren Ursprung in der Rinderpest. Fehlende hygienische Maßnahmen und Unkenntnis über die neu entstandenen Krankheiten zogen große Epidemien nach sich. Dennoch erhöhte sich insgesamt die durchschnittliche Lebenserwartung durch die regelmäßigere Ernährung. Eine absolute Revolution also, die sich über alle Lebensbereiche erstreckte.

Schon interessant, aber was hat das denn nun mit Entwicklungshilfe zu tun?

Lesen Sie die Auflösung in der nächsten Woche unter dem Titel:
„Aus der Steinzeit direkt ins Global Village“

Entwicklungshilfe muss ganz anders laufen (I)

August 1, 2008

Entwicklungshilfe: Versuch einer Erklärung in drei Teilen

In den nächsten drei Ausgaben beschreiben wir unsere Auffassung von Entwicklungshilfe und warum wir das Projekt ganzheitlich und gemeinsam mit möglichst allen Frauen und Männern in Kasambya angehen werden. Dazu müssen wir etwas ausholen, denn die äußerst spannende Trilogie beginnt bereits vor fünf Millionen Jahren.

Teil I. Was hat Panama mit den Affen in Afrika zu tun?

Ein kurzer Streifzug durch fünf Millionen Jahre Evolution

Wir stammen alle vom Affen ab. Gut, das weiß jeder und ist wirklich nichts Neues. Aber wie wir heutigen Menschen uns von dort aus entwickelt haben und warum wir alle so unterschiedlich geworden sind, ist eine absolut spannende Geschichte.
Und die geht so los.

Vor 5 Millionen Jahren gab es dort, wo heute Panama liegt, noch eine breite Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik. Eine starke warme Meeresströmung presste sich aus dem Pazifik in den Atlantik und erwärmte dort das Wasser. Aber dann hat ein gewaltiger Vulkanausbruch eine Landbrücke zwischen dem nord- und südamerikanischen Kontinent geschlagen und die warme Meeresströmung versiegte abrupt. Die Wassertemperatur im Atlantik sank. Dadurch veränderte sich auch in Afrika das Klima. Es regnete weniger. Der so üppige Regenwald auf dem afrikanischen Kontinent begann sich zu lichten.

Besonders davon betroffen waren unsere Vorfahren, die besagten Affen. Gerade ihr Lebensraum veränderte sich gravierend. Konnten sie bisher zur Nahrungssuche von Baum zu Baum springen und waren so sicher vor Raubtieren am Boden, mussten sie jetzt die Bäume verlassen, um an die Nahrung auf den umliegenden Bäumen oder am Boden zu gelangen. Im teilweise dichten Unterholz waren sie jedoch nur aufrecht stehend in der Lage, ihre Feinde frühzeitig entdecken, um sich im Notfall auf den nächsten Baum zu flüchten.

Und als der Regenwald sich weiter lichtete, dass nicht mehr genügend Nahrung für alle vorhanden war, machten sich viele unserer Ahnen auf den Weg in die ungeschützten Savannen.

In der Hitze des Tages war es ein Vorteil, aus Gründen der Wärmeregulierung des Körpers ein Vorteil, aufrecht zu gehen, um weniger Körperfläche den gnadenlosen Sonnenstrahlen entgegen zu halten. Mit ihrem aufrechten Gang konnten sie riesige Distanzen zurücklegen. Die Nahrung in der Savanne war nicht mit der Nahrung im Regenwald zu vergleichen. Sie begannen zusätzlich zur vegetarischen Nahrung Insekten und Aas zu fressen. Später jagten sie lebende Tiere.
Ihr Fell wurde lichter. Fast nur noch die Haare auf dem Kopf blieben zum Schutz vor der Sonne. Ansonsten schwitzten sie mehr um den Körper mit Verdunstungskälte zu kühlen. Die ungeschützte Haut dunkelte von der UV Strahlung.
Sie hatten plötzlich die Hände frei und konnten sie anders verwenden. Erste Werkzeuge wurden benutzt. Steine und Stöcke für die Jagd um Tiere zu erschlagen und um Fische zu fangen.

Gegenüber heute ein relativ einfaches Leben. Man besaß nichts und der Tag wurde ausschließlich zur Nahrungsbeschaffung genutzt. War man satt, hatte man Feierabend. Die Ernährung änderte sich, und man entwickelte sich aus der Not heraus zum Allesfresser. Durch zusätzliche tierische Eiweiße wuchsen Körper und Hirn. Nachts musste man sich eine Bleibe suchen, bei der man vor wilden Tieren sicher war. Feuer wurde entdeckt und domestiziert. Durch den aufrechten Gang sank der Kehlkopf weiter in den Hals und das Weichgaren von Fleisch im Feuer verkleinerte den Kauapparat. Mit vergrößertem Hirn und verändertem Mund- Rachenraum konnten sie Sprache entwickeln und so weit perfektionieren, dass man sich nicht unbedingt sehen musste, um sich zu verständigen. Ein Riesenvorteil. Später wurden Werkzeuge für alle möglichen Zwecke aus Stein und Holz selbst hergestellt. Ihre Lebenserwartung lag durch den unsteten Lebenswandel deutlich unter dem heutigen Durchschnitt.

Mit diesen Fähigkeiten haben erste Menschengruppen schon früh den afrikanischen Kontinent verlassen und die Welt besiedelt. Sie waren nicht besonders erfolgreich, weil ihnen wahrscheinlich noch eine wesentliche Eigenschaft fehlte. Und das war ihr Unvermögen in die Zukunft schauen zu können. Ihnen war nicht bewusst, dass es ein morgen und übermorgen gab, und dass sie in fremder Umgebung mit anderen klimatischen Bedingungen Vorsorge treffen mussten, um zu überleben.

Erst der Homo sapiens hatte auch diese Fähigkeit vollends entwickelt und verließ Afrika vor 100.000 Jahren. Das ist jetzt 3.300 Generationen her. Einige blieben in der Levante, auch „fruchtbarer Halbmond“ genannt. Ein Gebiet südlich der heutigen Türkei und des Irans von Euphrat und Tigris durchzogen.
Andere zogen weiter und besiedelten jetzt erfolgreich den gesamten Planeten in östlicher Richtung durch Asien, über die Behringstraße bis nach Südamerika.

Jede Sippe hatte einen Anführer. Ihm gehorchte man blind. Alle anderen waren sozial gleich.

Es gab keine Kriminalität, und die Aufgaben zum Erhalt der Sippe waren klar verteilt. Männer gingen auf die gefährliche Jagd und erlegten Tiere und Frauen kümmerten sich um Nachwuchs und Höhle. Sie sammelten Früchte und Kräuter und bereiteten damit ein vielfältiges Nahrungsangebot zu. Jäger und Sammler prägten also den nomadischen Lebensstil. Die Alten wurden als Wissensträger besonders verehrt und gepflegt. Es gab noch keinen ausgeprägten Totenkult und vor Ereignissen, die man sich nicht erklären konnte wie zum Beispiel Gewitter, hatte man Angst.

Und was hat das alles mit Entwicklungshilfe zu tun?
Lesen Sie nächste Woche: „Wir `erfinden` den Krieg!“

„Hand in Hand for a better Life“

Juli 18, 2008

Benefiz-Konzert im KSI am 20.06.2008: Musikschulkinder von Marlies Loevenich erspielen 300,– € für die Kinder in Kasambya

„Hand in Hand for a better Life“„Als ich noch ein Kind war, hatte ich nicht die Gelegenheit, das Spielen eines Musikinstruments zu erlernen. Ihr könnt Euren Eltern dankbar sein, dass sie Euch dies ermöglichen. Und ich bin dankbar, dass Ihr Euer Talent für die Kinder in Kasambya einsetzt, und durch Euren Einsatz und Eure Spende helft, die Bildungschancen für die Kinder in meinem Dorf zu verbessern.“ Father Charles Lwanga Mubiru zeigte sich sichtlich beeindruckt, mit wie viel Engagement und Einsatz die 28  Musikschulkinder von Marlies Loevenich ein Konzert vorbereitet hatten, dessen Erlös den Kindern in Kasambya, dem Heimatdorf von Father Charles, zugute kommen sollte „Hand in Hand for a better life“- das war das Motto, unter das die eifrigen Musikschüler  die Aufführung in der Kapelle des Katholisch-Sozialen Instituts gestellt hatten. Die  Kinder und Jugendlichen hatten sich lange und intensiv auf diesen Abend vorbereitet. Jeder hatte sein Lieblingsstück ausgesucht, und intensiv auf der Flöte, der Querflöte, der Gitarre, dem Keyboard oder der Orgel geübt. Und obwohl das Lampenfieber im Vorfeld bei einigen recht groß war, klappte bei der Darbietung vor den Eltern, Verwandten und Bekannten alles wie am Schnürchen. Um die Verbundenheit mit den Kindern in Kasambya hervorzuheben, wurden die Musikstücke durch eine Diashow mit Szenen und Bildern aus Kasambya begleitet. Der größte Lohn und die beste Bestätigung für die jungen Musiker war die stattliche Summe von 300 Euro, die die Konzertbesucher für das Projekt der Father-Charles-Convention spendeten. Wofür die Spende eingesetzt wurde, kann demnächst auf der Internetseite der Father-Charles-Convention verfolgt werden (www.fachco.de). Der Verein dankt  Marlies Loevenich und allen beteiligten Kindern für ihre Mühe und den Aufwand und selbstverständlich auch allen Spendern. Oder – wie die Kinder in Kasambya sagen würden: Weebale nnyo!

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